Home » News » Blasenkrebs: Wenn’s doch mehr als ein Harnwegsinfekt ist
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Wenn Frauen Beschwerden mit der Blase haben, steckt meist ein Harnwegsinfekt dahinter. Selten ist ein Blasenkrebs die Ursache. Im Interview erklärt die Onko-Urologin Dr. med. Melanie Hassler vom Universitätsklinikum AKH Wien, wann Betroffene, Ärztinnen und Ärzte auch an Blasenkrebs denken sollten.

Dr. med. Melanie Hassler- Di Fratta

Onko-Urologin, Universitätsklinikum AKH Wien

Bitte stellen Sie uns den Blasenkrebs vor

Das Harnblasenkarzinom ist eine Krebsgeschwulst (Tumor), das in der Harnblase wächst, also im sogenannten unteren Harntrakt. Blasenkrebs kann sowohl Männer als Frauen treffen, wobei er bei Männern dreimal häufiger auftritt als bei Frauen. Unsere Erfahrung zeigt: Wird Blasenkrebs bei Frauen diagnostiziert, ist die Erkrankung meist schon fortgeschritten. Ein weit fortgeschrittener Blasenkrebs kann tödlich sein. Bei jungen Frauen und Frauen mittleren Alters ist Blasenkrebs eher die Ausnahme. Typischerweise ist die Blasenkrebspatientin über 50 Jahre alt. 

Symptome, die auf einen Tumor in der Blase hinweisen

Ein deutlicher Hinweis auf einen Blasenkrebs ist Blut im Harn. Dieses kann entweder noch unsichtbar für das menschliche Auge sein, wobei es unter dem Mikroskop schon sichtbar ist. Oder aber der Harn ist bereits deutlich vom Blut verfärbt. Darüber hinaus sprechen auch Blasenbeschwerden wie Harndrang oder Schmerzen für Blasenkrebs, insbesondere in Kombination mit Blut im Harn. 

Harnwegsinfekt oder Blasenkrebs

Das stimmt. In den meisten Fällen, in denen Frauen die genannten Beschwerden ärztlich untersuchen lassen, wird ein Harnwegsinfekt diagnostiziert und entsprechend erfolgreich behandelt*. Schlägt die Therapie jedoch nicht wie erhofft an, bleiben die Beschwerden also selbst nach der Gabe von Antibiotika bestehen oder verschlimmern sich sogar, sollte die Blase der Frau dringend untersucht werden – und zwar von  einer Urologin/einem Urologen. Blasenkrebs ist bei einer sogenannten Blasenspiegelung in der Regel gut erkennbar. Diese Untersuchung (auch Zystoskopie genannt) dauert nur wenige Minuten und wird meist ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Der/die behandelnde Arzt/ Ärztin führt dabei das Zystoskop durch die Harnröhre ein, was bei Frauen naturgemäß leichter geht als bei Männern. Das Zystoskop ist ein spezielles Endoskop: Es besteht aus einem optischen System mit Lichtquelle und einer Spül- und Absaugvorrichtung. Durch den Arbeitskanal des Geräts lassen sich medizinische Instrumente zur Gewebeentnahme ein- und so operative Eingriffe durchführen. 

Behandlung von Blasenkrebs

Die Behandlung von Blasenkrebs hängt davon ab, wie weit dieser bereits entwickelt ist. 80 Prozent der diagnostizierten Tumore sind oberflächlicher Natur. Sie sitzen auf der Schleimhaut der Harnblase und lassen sich per Katheter über den Harnweg mechanisch herausschälen. Leider kann Blasenkrebs immer wieder auftreten, sodass die Patient:innen regelmäßig untersucht werden sollten, um neue Tumore frühzeitig zu entdecken und zu entfernen. 

Hat sich ein Blasenkrebs dagegen bereits in die Muskelschicht oder sogar darüber hinaus in die Fettschicht der Harnblase „gefressen“, wird häufig zuerst eine Chemotherapie gegeben. Auch Strahlentherapien kommen zum Einsatz. Zudem gibt es inzwischen Immuntherapien, die wir bei Blasenkrebs selbst im fortgeschrittenen Stadium erfolgreich einsetzen. Dadurch können wir die Lebenserwartung der Patient:innen deutlich erhöhen. Der Fortschritt in der Behandlung von Blasenkrebs war in den vergangenen fünf Jahre immens. Bei fortgeschrittenem Blasenkrebs muss die Blase zumeist in einer Operation komplett herausgenommen werden, seltener nur in Teilen. Anschließend bekommen die Patient:innen eine Ersatzblase mit einem künstlichen Harnausgang in der Bauchdecke. Es kann auch ein Stück Darm zur Urinableitung umfunktioniert werden. 

Risikofaktoren für die Entwicklung von Blasenkrebs

Es gibt durchaus Risikofaktoren für das Entstehen von Blasenkrebs: Wir wissen heute, dass jeder zweite Blasenkrebs mit dem Konsum von Nikotin zusammenhängt. Deshalb sollte bei (Ex-)Raucherinnen und Rauchern, die zum einen mit den oben genannten Symptomen zur ärztlichen Untersuchung kommen und zum anderen über 50 Jahre alt sind, immer auch die Blase mituntersucht werden. Außerdem ist bekannt, dass Menschen, die regelmäßig mit bestimmten Farbstoffen in Kontakt kommen, beispielsweise Frisöre und Frisörinnen, die alltäglich mit Haarfärbemitteln hantieren, ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs haben. 

Blasen: Vorsorge 

Weil der Blasenkrebs zunächst längere Zeit asymptomatisch bleibt oder mit Symptomen auftritt, die unter anderem einem Harnwegsinfekt ähneln können, ist es insbesondere für Risikopatienten und -patientinnen ratsam, ab einem Alter von 50 Jahren regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen. 

Text: Doreen Brumme

Infos zu Blasenkrebs

Was ist Blasenkrebs?

Blasenkrebs (Blasenkarzinom) ist eine bösartige Erkrankung der Harnblase. Ungefähr 95 % der Blasenkarzinome gehen von der Blasenschleimhaut aus, dem sogenannten Übergangsepithel.
In Österreich erkranken jährlich rund 1.600 Menschen an Blasen-krebs. Er ist der fünfthäufigste Tumor bei Männern, während er bei Frauen nur den 14. Platz belegt.

Ursachen und Risikofaktoren

Weshalb sich Krebs in der Schleimhaut der Blase entwickelt ist nicht eindeutig geklärt. Allerdings können einige Risikofaktoren die Entstehung eines Blasenkarzinoms begünstigen. Der Hauptfaktor ist das Rauchen. Daneben sind chronische Blasenentzündungen, hoher Schmerzmittelkonsum sowie bestimmte Chemikalien, sogenannte aromatische Amine, als Risikofaktoren bekannt. Aromatische Amine kommen zum Beispiel in Farbstoffen vor.

Verlauf und Therapiemöglichkeiten

Mehr als die Hälfte aller Blasenkarzinome werden in einem lokalisierten Stadium diagnostiziert und lassen sich mit einer Resektion im Rahmen einer Blasenspiegelung gut behandeln.
Bei Tumoren, die in die Blasenwand eingewachsen sind, muss oft die gesamte Blase entfernt und mit einer Ersatzblase aus Darmgewebe ersetzt werden. Im Anschluss oder vor der chirurgischen Behandlung werden häufig noch eine Chemotherapie oder Immuntherapie durchgeführt. Eine Strahlentherapie wird nur in Sonderfällen angewendet.

Zahlen und Fakten rund um Blasenkrebs

Blasenkrebs macht 4 % aller Krebsneuerkrankungen in Österreich aus. In der öffentlichen Diskussion ist Blasenkrebs weniger präsent als andere Tumorerkrankungen, weshalb man auch vom „vergessenen Karzinom“ spricht. Etwa drei Viertel der Betroffenen sind Männer. Blasenkrebs tritt vor allem in höherem Alter auf – 60 % der Patient:innen sind zum Zeitpunkt der Diagnose über 70 Jahre alt.

Diagnose und Früherkennung

Tückisch ist, dass sich bei Blasenkrebs lange Zeit nur wenige bis gar keine Beschwerden zeigen und er oft nur zufällig entdeckt wird. Erstes und wichtigstes Anzeichen eines Harnblasenkarzinoms ist Blut im Urin. Verfärbungen des Urins sollten daher immer abgeklärt werden! In einem späteren Stadium kann der Krebs häufigen Harndrang, Brennen beim Wasserlassen oder Unterbauchschmerzen verursachen.

Folgeerkrankungen

Da Blasenkrebs immer wieder auftreten kann und somit eine hohe Rezidivrate aufweist, müssen Patient:innen regelmäßig überwacht werden. In der Nachsorge sind regelmäßige Blasenspiegelungen sowie manchmal auch Computertomographien notwendig, um Rezidive oder Metastasen zu erkennen. Diese siedeln sich beim Blasenkrebs bevorzugt in Lymphknoten, Leber, Lunge und Knochen an und führen in aller Regel zu einer schlechten Prognose.

Prävention & Vorsorge

Um Blasenkrebs vorzubeugen hören Sie auf zu rauchen, beachten Sie Sicherheitsvorschriften bei der Arbeit mit krebsauslösenden Stoffen, halten Sie sich körperlich gesund , seien Sie aktiv und ernähren Sie sich ausgewogen.
Da Blasenkrebs zunächst längere Zeit asymptomatisch bleibt oder mit Syptomen auftritt, die unter anderem einem Harnwegsinfekt ähneln können, ist es insbesondere für Risikopatient:innen ratsam, ab 50 Jahren regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen.

Text:  Anna Birkenmeier 

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